Zwiebelrostbraten

Früher habe ich bei einer Einkehr in ein schwäbisches Landgasthaus gerne einen ‚Schwäbischen Zwiebelrostbraten‘ bestellt. Er wurde meist mit handgeschabten Spätzle oder Bratkartoffeln, manchmal auch noch mit einem zusätzlichen Klacks Sauerkraut und einem Suppenmaultäschle angeboten. Ganz wichtig dabei ist jedoch ein wenig gute Sauce, damit die Spätzle auch etwas zum Aufsaugen haben. Gekocht hat nicht selten die Oma des Wirts.

Seit jedoch die schwäbischen Landgasthäuser immer weniger werden, zumindest in Restaurant umbenannt (dann natürlich ohne die Oma, sondern als Profit-Center betrieben) oder oft sogar durch Ristorante-Pizzeria oder Taverne ersetzt wurden, habe ich nur noch selten einen anständigen Rostbraten mehr bekommen. Die handgemachten Spätzle sind irgendwelchen Fertig- bzw. Halbfertigprodukten gewichen und die Sauce – ja, die Wirte schämen sich nicht einmal – ist fast immer nur noch eine ekelhafte, schwarze, stinknormale Päckchen-Bratensauce, in der alles ersäuft wird. Schade um das Geld, das man hierfür ausgibt.

Nun gut, wir hätten ja mal einen Rostbraten bei unserem schwäbischen Urgestein Vincent Klink in seiner Wielandshöhe probieren können, aber womöglich hätte er außer seinem normalen (Wein-) Sommelier auch noch einen Wassersommelier auf uns gehetzt, der versucht hätte, uns ein Premiumwasser, natürlich in einer mit Swarovski-Steinen besetzten Flasche oder zumindest ein Wasser aus Dänemark, das statt mit Kohlensäure mit Sauerstoff angereichert ist, anzudrehen 😉

Wir haben es daher vorgezogen, es einmal selbst zu probieren.

Zwiebelrostbraten mit Schupfnudeln

Zwiebelrostbraten mit Schupfnudeln

Wir haben ein Rezept von Vincent Klink genommen und wurden nicht enttäuscht. Das Fleisch im Anschnitt rosa, die Sauce sehr schmackhaft, die Schupfnudeln passten wunderbar dazu. Ein Rostbraten wie er sein soll.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: ZWIEBELROSTBRATEN
Kategorien: Fleisch, Rind
Menge: 2 Personen

Zutaten

1     Gemüsezwiebel
2 Scheiben   Rumpsteak à 220 g, möglichst mit Fettrand
  Etwas   Salz, Pfeffer
2 Essl.   Sonnenblumenöl
1/8 Ltr.   Rotwein
2 Teel.   Butter

Quelle

  Nach einem Rezept aus der
  Koch-Kunst mit Vincent Klink, 10.09.2008
  Zwiebelköstlichkeiten
  Erfasst *RK* 10.09.2008 von
  Ulli Fetzer

Zubereitung

Die Zwiebel schälen, halbieren und in dünne Scheiben schneiden. Die Fleischscheiben etwas flach klopfen. Den äußeren oberen Fettrand in Zentimeterabständen einschneiden und mit Pfeffer und Salz würzen.

In einer großen Bratpfanne die Hälfte des Öls erhitzen und die Fleischscheiben von beiden Seiten jeweils zwei Minuten scharf anbraten. Das Fleisch aus der Pfanne nehmen und warm stellen.

Dem Bratensatz das restliche Öl beifügen und die Zwiebel darin goldbraun braten. Mit Salz würzen. Die Zwiebel aus der Pfanne nehmen und auf die Fleischscheiben geben. Die noch heiße Pfanne wieder aufs Feuer stellen und den Bratensatz mit Rotwein ablöschen und solange einreduzieren lassen, bis der Pfannenboden nur noch höchstens 1 cm hoch mit der Sauce bedeckt ist. In den kochenden Wein kräftig die Butter rühren, bis sie geschmolzen ist. Sauce abschmecken.

Die mit den Zwiebeln bedeckten Fleischscheiben noch einmal kurz in die Sauce legen und etwas ziehen lassen.

Anrichten:

Fleisch mit Zwiebelauflage anrichten, Sauce dazugießen und servieren. Dazu in Butter goldgelb ausgebratene Schupfnudeln (Bubenspitzle).

Anmerkungen von Vincent Klink:

Der Rostbraten schmeckt mit etwas Fettrand besser. Wer das nicht mag, kann ihn wegschneiden. Das Gericht nennt sich im Französischen Steak à la minute, was uns signalisiert, dass es ein sehr schnelles Gericht ist. Gelingt alles, so dauert die ganze Prozedur nicht länger als zehn Minuten.

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9 Gedanken zu „Zwiebelrostbraten

  1. Petra

    Ich bin ein absoluter Fan von schwäbischem Rostbraten – wenn er gut ist. Was du von der Gastronomie schilderst, ist leider verbreitet, aber ab und zu hat man ja doch mal Glück.

    Ich habe mich zuletzt an ein Witzigmann-Rezept gehalten, das fand ich sehr gut – muss ich mal wieder machen und bloggen.

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  2. Ulli Beitragsautor

    @Alle
    Ich stelle fest, dass ein ‚guter‘ Rostbraten doch den Geschmack von einigen trifft ;-9

    @kulinaria katastrophalia
    Die ‚Handgeschabten‘ sind in der Tat etwas groß geraten, fast wie Mehlspatzen 😉

    @Petra
    Du hast das also auch festgestellt mit der Gastronomie. Ich dachte schon, dass einfach meine Ansprüche größer geworden sind.
    Ich bin schon gespannt auf Dein Rezept von Witzigmann.

    LG

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  3. Pingback: RezkonvSuite » Blog Archiv » Zwiebelrostbraten nach E. Witzigmann

  4. Tanja

    Hm, ich finde ja nicht, daß man bei vincent Kliunk in irgeneiner weise eine swarowski atmosphäre hat. Er zeichnet sich ja eben nicht durch überkandideltes gastrogehabe sondern durch regional verbundene qualitätsküche im slowfood stil aus…

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  5. Pingback: Nachgekocht: SchwĂ€bischer Zwiebelrostbraten « lamiacucina

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